Die ausgeprägteste Eigenschaft, die alle Realisten kennzeichnet, ist ihr weit überdurchschnittliches Verantwortungs- und Pflichtgefühl. Der Psychologe Keirsey hat sie einmal als „das Fundament, den Eckpfeiler, das Schwungrad und den Stabilisator der Gesellschaft“ bezeichnet, und das trifft es sehr gut. Realisten - selbst die introvertierten von ihnen - brauchen vor allem anderen das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft, des sozialen Akzeptiertseins, um glücklich zu sein.

Sie sind allerdings keineswegs der Meinung, dass diese Zugehörigkeit ihnen geschenkt werden sollte oder müsste! Stattdessen tun sie viel dafür, sie sich zu erarbeiten und zu verdienen. Deshalb engagieren sie sich fast in jeder wachen Minute im Dienst der Gemeinschaft und für andere Menschen. Sie sind immer bestrebt, sich nützlich zu machen, anderen zu helfen und sie zu umsorgen, und die - realen oder vermuteten - Erwartungen, die an sie gestellt werden, bestmöglich zu erfüllen. Eine übernommene Verpflichtung ist ihnen heilig, ein gegebenes Wort zu brechen kommt für sie nicht in Frage. Das Schlimmste, was einem Realisten zustoßen kann, ist das Gefühl sozialen Ausgegrenzt- oder Isoliertseins. Während manch anderer Persönlichkeitstyp vor allem damit beschäftigt ist, seine Einzigartigkeit und seinen Individualismus zu pflegen und dabei durchaus mal das Missfallen anderer in Kauf nimmt - vielleicht sogar damit kokettiert -, tut der Realist so ziemlich alles, um Teil der Herde zu bleiben, denn nur hier fühlt er sich wirklich wohl.

Neben Familie und Beruf wählen sich viele Realisten noch ein oder mehrere Ehrenämter - eine gute Idee aus der Sicht der Glücksforschung! „Wahres Glück besteht darin, andere glücklich zu machen“, sagt ein indisches Sprichwort, und für keine andere Persönlichkeitsgruppe trifft dies so sehr zu wie für die Realisten. Deshalb sind für Sie die Studienergebnisse besonders interessant, die belegen, dass ehrenamtliches Engagement für eine uns am Herzen liegende Sache uns nicht nur glücklicher sein lässt, sondern sogar für bessere Gesundheit und eine deutlich erhöhte Lebenserwartung sorgt. Manche Psychologen sprechen von einem regelrechten „Helferhoch“, das durch eine solche Tätigkeit in uns ausgelöst werden kann - und das ist purer Balsam für die Seele eines jeden Realisten!

In einer Hinsicht gehen Realisten in Sachen Glück mit einer kleinen „Hypothek“ an den Start: Ihnen ist ein leichter Hang zum Pessimismus in die Wiege gelegt worden. Realisten wie Sie sind extrem sicherheitsliebende Persönlichkeitstypen, die ständig bemüht sind, sich gegen etwaige drohende Verluste, Rückschläge oder Katastrophen zu wappnen. „Was schief gehen kann, wird wahrscheinlich auch schief gehen“ - dieser Satz stammt mit Sicherheit von einem Realisten, und entsprechend investieren Realisten viel Zeit und Energie darin, möglichst alle Eventualitäten vorherzusehen und immer einen „Plan B“ für alle Fälle in der Tasche zu haben. Einerseits natürlich eine Strategie, mit der man tatsächlich so manches Missgeschick vermeiden oder zumindest abpuffern kann, andererseits aber auch so ziemlich das Gegenstück zu der „rosaroten Brille“, von der die Glücksforschung heute weiß, dass sie erheblich zu unserer Lebenszufriedenheit beiträgt. Die besorgte und angespannte Grundhaltung, die aus der sorgenvollen Sicht der Realisten aufs Leben resultiert, wird nämlich nur allzu oft zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.